Umfassende Berichte nationaler und internationaler Bewertungsgremien (2012-2013)

  • Schweiz: BAFU legt Bericht über Strahlung von Sendeanlagen und Gesundheit vor (November 2013)

    Das schweizerische Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat im Oktober einen Synthesebericht „Strahlung von Sendeanlagen und Gesundheit“ veröffentlicht. Dieser enthält die aktualisierte Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen hochfrequenter Strahlung, gestützt auf die von Oktober 2006 bis Dezember 2012 neu publizierten Humanstudien. Laut BAFU sind die Expositionen durch ortsfeste Sendeanlagen generell niedrig, und bei diesem Belastungsniveau seien bisher keine gesundheitlichen Auswirkungen wissenschaftlich nachgewiesen worden. Es fehlten jedoch methodisch ausgereifte Langzeitbeobachtungen praktisch vollständig. Eine verlässliche Aussage über allfällige Langzeitrisiken sei deshalb zurzeit nicht möglich.

    Download unter: http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01739/index.html?lang=de

  • Frankreich: Neuer ANSES-Bericht zur Bewertung der Risiken von EMF (Oktober 2013)

    Die nationale französische Gesundheitsbehörde (ANSES, Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail) hat Mitte Oktober die Aktualisierung des Experten-Gutachtens “Radiofrequencies and health” veröffentlicht. Darin werden die Ergebnisse der Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) durch die Auswertung internationaler wissenschaftlicher Literatur seit 2009 vorgestellt. Laut der Pressemitteilung von ANSES hat die Aktualisierung keine erwiesenen gesundheitsschädigenden Wirkungen durch hochfrequente elektromagnetische Felder ans Licht gebracht und sie führt nicht dazu, dass neue Grenzwerte für die Bevölkerung vorgeschlagen werden. Allerdings deuteten begrenzte Hinweise auf unterschiedliche biologische Wirkungen bei Menschen oder Tieren hin. Darüber hinaus ließen einige Publikationen auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko von Hirntumoren bei langfristiger und intensiver Mobiltelefonnutzung schließen. Mit diesen Informationen und vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung der Technologien und Praktiken hat ANSES in ihrem Bericht empfohlen, die Exposition der Bevölkerung gegenüber HF-EMF (insbesondere von Handys) besonders für Kinder und intensive Nutzer zu begrenzen und die durch Relais-Antennen resultierende Gesamt-Exposition zu kontrollieren.

    Download des Berichtes (in französischer Sprache) und weitere Informationen (in englischer Sprache) unter:

    http://www.anses.fr/en/content/anses-issues-recommendations-limiting-exposure-radiofrequencies

  • BCCDC: „Radiofrequency Toolkit for Environmental Health Practitioners“ (August 2013, Kanada)

    Die BC Centre for Disease Control (BCCDC, Agentur der kanadischen Gesundheitsbehörde) und das National Collaborating Centre for Environmental Health (NCCEH) haben einen Forschungsüberblick unter dem Titel „Radiofrequency Toolkit for Environmental Health Practitioners“ herausgegeben. Das Toolkit bietet Hintergrundinformationen zu den physikalischen Grundlagen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF-EMF), ihren Quellen, Mess- und Expositions-Eigenschaften sowie eine Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Literatur zu möglichen biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Exposition gegenüber HF-EMF.

    Weitere Informationen und Download des Toolkits unter:

    http://www.bccdc.ca/healthenv/ElectromagFields/RadioFrequency/default.htm

  • HCN Bericht über Mobiltelefone und Krebs (Juli 2013, Niederlande)

    Anfang Juni hat der Ausschuss elektromagnetische Felder des Health Council of the Netherlands (HCN) seinen ersten Beratungsbericht “Mobile phones and cancer, Part1: Epidemiology of tumuors in the head“ veröffentlicht und dem State Secretary for Infrastructure and the Environment vorgelegt. In diesem Bericht wurde auf der Grundlage epidemiologischer Erkenntnisse untersucht, ob es Anhaltspunkte für einen Kausalzusammenhang zwischen der Exposition gegenüber hochfrequenten Feldern von Mobiltelefonen und Tumoren im Gehirn und verschiedenen anderen Geweben im Kopf (z.B. Hirnhaut, Hörnerv, Ohrspeicheldrüse) gibt. Die Autoren schlussfolgern, dass diese vorliegende systematische Analyse trotz großer Forschungsanstrengungen noch keine Klarheit über einen möglichen Zusammenhang zwischen Handy-Nutzung über einen Zeitraum von 13 Jahren und einem erhöhten Tumorrisiko im Gehirn und anderen Regionen des Kopfes zeigt. Der Ausschuss bereitet derzeit eine systematische Analyse der Tierstudien zur Karzinogenität von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern vor, die voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt 2013 veröffentlicht wird. In einem dritten Bericht wird der Ausschuss voraussichtlich Anfang 2014 die Beobachtungen aus den ersten beiden Berichten in Anbetracht der kürzlich veröffentlichten IARC Auswertung diskutieren.

    http://www.gezondheidsraad.nl/mobile-phones-and-cancer-part-1-epidemiology-tumours-head

    http://www.emfexplained.info/?ID=25829

  • IARC Monograph 2013 (Vol. 102) über nicht-ionisierende Strahlung (Teil 2: hoch-frequente elektromagnetische Felder) erschienen (Mai 2013)

    Im Jahr 2011 hat die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) hinsichtlich ihres krebserregenden Potentials in Gruppe 2B ihrer Klassifizierungsskala eingestuft. Am 19. April 2013 wurde nun die Monografie über "Nicht-ionisierende Strahlung, Teil 2: hochfrequente elektromagnetische Felder" veröffentlicht. Diese Publikation stellt die Ansichten und Expertenmeinungen der IARC-Arbeitsgruppe für die Evaluierung von Krebsrisiken für den Menschen, die vom 24. bis zum 31. Mai 2011 in Lyon getagt hatte, dar.

    http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol102/index.php

    http://monographs.iarc.fr/index.php

  • Norwegisches Institut für öffentliche Gesundheit (2012)
    Ein norwegisch/schwedisches Expertenkomitee hat für diesen Bericht vorliegende Forschungsergebnisse hinsichtlich einer Reihe möglicher gesundheitlicher Auswirkungen schwacher elektromagnetischer Felder ausgewertet. Darüber hinaus geben die Experten den zuständigen Behörden Hinweise zu Risikomanagement und regulatorischen Fragestellungen. Das Gremium fand in seiner Analyse keine Nachweise dafür, dass schwache elektromagnetische Felder von Handys und anderen Sendern das Krebsrisiko erhöhen, die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen, das reproduktive System auf andere Weise schädigen oder dass sie zu anderen Krankheiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie z. B. Änderungen des Hormon- oder des Immunsystems führen. Unsicherheit gebe es bei hoher Exposition über einen längeren Zeitraum wie z. B. durch extensiven Gebrauch von Mobiltelefonen über mehrere Jahrzehnte hinweg. Bis jetzt sei es nicht möglich gewesen, dies zu untersuchen. Deshalb sollten Krebsregister die Entwicklung von Krebserkrankungsraten beobachten und die Forschung fortgeführt werden, so die Experten. Da aber Studien an Tieren, die während ihrer gesamten Lebenszeit exponiert waren, keine Hinweise liefern, dass schwache elektromagnetische Felder Krebs verursachen, ist es nach Ansicht des Gremiums unwahrscheinlich, dass die langfristige Nutzung von Mobiltelefonen Gesundheitsrisiken birgt, die heute unbekannt sind. 
    http://www.fhi.no/dokumenter/6563fe9a33.pdf  (Volltext in norwegischer Sprache) 
    http://www.fhi.no/dokumenter/545eea7147.pdf(Englische Zusammenfassung)

  • Schwedischer Rat für Arbeitsleben und Sozialforschung (2012)
    Der jüngste Bericht des Rates fasst die Forschung der letzten zehn Jahre zur Untersuchung von Gesundheitsrisiken durch die Exposition in hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zusammen. Die Autoren kommen zu folgendem Ergebnis: „Die mehr als zehnjährige intensive Forschung bietet keine neuen Erkenntnisse zu Interaktionsmechanismen zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und dem menschlichen Körper und hat keine Nachweise für Gesundheitsrisiken unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte geliefert. Obwohl es eine absolute Sicherheit nie geben kann, deutet nichts darauf hin, dass der lang etablierte Interaktionsmechanismus „Erwärmung“ für die Gesundheitsvorsorge nicht ausreicht“.
    Download des Bericht von der Webseite des FAS: http://www.fas.se/en/News/2012/10-years-of-research-on-the-health-risks-of-radiofrequency-fields/ 

  • Strahlenschutzkommission (Deutschland 2012)
    Die Strahlenschutzkommission (SSK) hat im Jahre 2008 eine erste Bewertung des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) auf Grund der damals vorliegenden Ergebnisse vorgenommen, wobei eine Reihe von Fragen offen bleiben musste. Die vorliegende Stellungnahme nimmt diese Einschätzung auf und ergänzt sie auf der Basis der neuen, mittlerweile abgeschlossenen Vorhaben und unter Einbeziehung der Ergebnisse anderer nationaler und internationaler Forschungsprogramme über die biologischen Auswirkungen des Mobilfunks. Die SSK stellt fest, dass auf Basis der durchgeführten Forschungsprojekte die Gesamtproblematik der biologisch-medizinischen Wirkungen der Felder des Mobilfunks nicht endgültig geklärt werden konnte. In diesem Sinn sei es verständlich, wenn trotz der Tatsache, dass die ursprünglichen Hinweise auf potenzielle gesundheitliche Wirkungen des Mobilfunks nicht bestätigt wurden, noch Forschungsbedarf bestehen bleibt. Die weiterhin dynamische Entwicklung neuer Funktechnologien und die Nutzung neuer Frequenzen und Übertragungsformen ließen darüber hinaus ebenfalls eine begleitende Forschung, Immissionskontrolle und Expositionsbeurteilung als sinnvoll erscheinen
    http://www.ssk.de/de/werke/2011/kurzinfo/ssk1109.htm
  • Konsensusbericht des Wissenschafltlichen Beirat Funk (Österreich, 2012)
    Nach Prüfung aktueller wissenschaftlicher Daten kamen die Experten, wie bereits in den Jahren zuvor, zu der Auffassung, dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft vom Mobilfunk keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ausgeht – die Einhaltung der Grenzwerte vorausgesetzt. Um die noch bestehenden Unsicherheiten abzuklären, empfiehlt der WBF weitere Forschung zu Mechanismen und Modellen, große prospektive Kohortenstudien, weitere dosimetrische Untersuchungen sowie eine Optimierung der bestehenden Standardverfahren. Darüber hinaus empfiehlt der WBF weiterhin einen umsichtigen Umgang bei der Verwendung neuer Technologien.
    Pressemitteilung, Konsensusberichts, Literatur- und Expertenliste 2012 unter: http://www.wbf.or.at/wbf-expertenforum/expertenforum-2012/
  • AGNIR Bericht (Großbritannien, 2012)
    Die britische Beratergruppe für nicht-ionisierende Strahlung (AGNIR) hat diesen umfassenden Report im Auftrag der britischen Health Protection Agency (HPA) verfasst. Die Beratergruppe kommt zu dem Schluss, dass trotz umfangreicher Forschung keine überzeugenden Beweise für gesundheitliche Auswirkungen durch HF-Exposition unterhalb der international vereinbarten Grenzwerte (die auch in Großbritannien angewandt werden) bei Erwachsenen oder Kindern gefunden werden konnten. Eine abschließende Beurteilung hält AGNIR aufgrund von Einschränkungen bei den publizierten Forschungsergebnissen aber für verfrüht und verweist auf mögliche Auswirkungen auf das Elektroenzephalogramm. Die Beratergruppe gibt aber zu bedenken, dass diese Effekte noch nicht eindeutig nachgewiesen sind und hält es für unklar, ob sie irgendwelche gesundheitlichen Folgen haben können. Weiterhin betont AGNIR, dass die Mobilfunktechnologie erst seit relativ kurzer Zeit in der Öffentlichkeit verbreitet ist und dass es wenig Informationen über Risiken einer Langzeitnutzung von mehr als 15 Jahren gibt. Deshalb sei es wichtig, die wissenschaftlichen Entwicklungen und auch die Entwicklung nationaler Hirntumor-Erkrankungsraten kontinuierlich zu verfolgen. Die HPA will auch weiterhin zur Vorsorge raten und die Forschung genauestens beobachten. Sie empfiehlt, Kindern von einem übermäßigen Handygebrauch abzuraten und die SAR-Werte von Handys deutlich in den Verkaufsunterlagen von Mobiltelefonen anzugeben.
    EMF Brief 79 vom 15.05.2012

  • IET-Positionspapier (Großbritannien, 2012)
    Die Bewertung der Biological Effects Policy Advisory Group (BEPAG) der "Institution of Engineering and Technology“ (IET, ein britischer Berufsverband von Ingenieuren und Technikern), basiert auf insgesamt 726 relevanten Arbeiten, die in den Jahren 2010 und 2011 veröffentlicht wurden. Insgesamt kommt die BEPAG zu dem Schluss, dass die aktuelle wissenschaftliche Ergebnislage weiterhin nicht darauf hindeutet, dass durch schwache EMF-Exposition schädliche Wirkungen beim Menschen auftreten. Für Netzfrequenzen von 50 oder 60 Hz deute die Ergebnislage auf Basis einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten aus den letzten Jahrzehnten nicht auf gesundheitsschädliche Auswirkungen durch umweltbedingte Exposition hin, diese könnten aber nicht ausgeschlossen werden (kombinierte Analysen epidemiologischer Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen Leukämie im Kindesalter und niederfrequenten Magnetfeldern von mehr als 0,4 μT in der Wohnung). Für höhere Frequenzen würden die vorhandenen Daten keine überzeugenden Hinweise auf gesundheitsschädigende Auswirkungen liefern, die Besorgnisse in der Öffentlichkeit blieben aber aufgrund potenzieller Langzeitauswirkungen weiterhin bestehen.
    EMF Brief 79 vom 15.05.2012

Eine umfassende Auflistung aller Stellungnahmen von Gesundheitsbehörden und Expertengruppen zum möglichen Gesundheitsrisiko durch hochfrequente elektromagnetische Felder sowie sicheren Grenzwerten stellt die GSM Association auf ihrer Webseite zur Verfügung.
http://www.gsmworld.com/our-work/public-policy/health/reports_statements_index.htm