Verfahren

International besetzte Bewertungsgremien liefern mit ihren Empfehlungen die Grundlagen für die Festlegung nationaler Grenzwerte und Standards sowie für nationale und internationale Entscheidungen über weitere Forschungsförderung. Bei den nationalen Entscheidungen können hierbei wiederum nationale Gremien, wie zum Beispiel die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK), mit einbezogen sein. Sie nehmen die Empfehlungen der internationalen Gremien auf, bewerten diese aus nationaler Sicht, nehmen eigene Bewertungen aktueller Forschungsergebnisse vor und dienen als maßgeblich empfehlende Instanz für die Entscheidungen der Regierung. So kommt es zu unterschiedlichen nationalen Auslegungen der internationalen Empfehlungen und der Forschungsresultate. Hieraus resultieren die zum Teil unterschiedlichen Immissionsschutz-Grenzwerte verschiedener Staaten im Bereich hoch- und niederfrequenter elektromagnetischer Felder (siehe WHO EMF-Project: Weltweite EMF-Standards) sowie die unterschiedlichen nationalen Forschungsanstrengungen. Bestimmte internationale Kommissionen arbeiten wiederum an einer Harmonisierung der weltweit unterschiedlichen Grenzwertregelungen, zum Teil auch für bestimmte Regionen oder Erdteile. Die Einhaltung der Grenzwerte wird durch nationale Behörden überwacht, in Deutschland ist dies die Bundesnetzagentur.

Die genannten Gremien sind längerfristig oder ad hoc zusammengesetzte wissenschaftliche Arbeitsgruppen, die ihre Bewertungsarbeit  im Rahmen öffentlicher oder nicht öffentlicher Arbeitstreffen bzw. Workshops leisten. Darüber hinaus wird im Hintergrund viel Arbeit investiert, um die laufende Forschung und ihre Ergebnisse zu erfassen, zu bewerten und daraus gemeinsame Schlüsse im Hinblick auf die genannten Empfehlungen zu ziehen. Oberstes Ziel sind dabei immer die Einschätzung möglicher Gesundheitsrisiken und die Abwendung zu großer Risiken für den Menschen durch die betrachteten Technologien. Dieser Prozess findet zum Teil formalisiert und nach vorgegebenen Bewertungskriterien statt, um die Unabhängigkeit und Neutralität der resultierenden Empfehlungen zu gewährleisten. Die Institutionen sind mit namhaften Experten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen besetzt, die selbst über weitreichende Forschungserfahrung auf den Gebieten verfügen, über die sie nach Diskussion und gemeinsamer Beratung entscheidende Empfehlungen formulieren. Auch der multidisziplinäre Charakter der namhaften Gremien ist entscheidend für ihre Unabhängigkeit und die weitreichende Akzeptanz ihrer Empfehlungen.

Die meisten Kommissionen wenden einen „Weight of Evidence Approach“ an, d.h. sie begutachten die gesamte wissenschaftlich („peer-reviewed“) veröffentlichte Literatur und behandeln sie mit dem „Ansatz einer ausgewogenen Analyse“. Hierbei werden nicht nur die Erkenntnisse aus einzelnen Studien berücksichtigt, sondern es wird ein Gesamteindruck der Ergebnislage aus vielen Studienbereichen (In-vitro-Studien, Tierstudien, Studien am Menschen, Bevölkerungsstudien, etc.) zu einem Thema gebildet. Die Erkenntnisse aus all diesen Bereichen werden nach ihrer Qualität und Bedeutung gewichtet und so für die Beantwortung der an die jeweilige Kommission gestellten Fragen berücksichtigt. Diese Vorghensweise soll verhindern, dass zum Beispiel die Ergebnisse einer einzelnen, nicht reproduzierten Untersuchung, die darüber hinaus vielleicht nicht einmal ausreichenden wissenschaftlichen Qualitätsstandards entspricht, zu viel Gewicht bei der Risikoeinschätzung bekommt.

Die Entscheidungen und Empfehlungen, die zu einer Grenzwertregelung führen, sind nicht statisch, sondern sie unterliegen einem dynamischen Prozess und sind revidierbar. Dazu überprüfen die relevanten Kommissionen regelmäßig den aktuellen Stand der Wissenschaft und veröffentlichen zu gegebener Zeit ihre aktualisierten Empfehlungen.

Einen Einblick in die Arbeitsprozesse einiger internationaler Kommissionen, die maßgebliche Empfehlungen veröffentlichen sowie weiteres Material bieten die folgenden Links: 

Auftakt zur Neubewertung der gesundheitlichen Auswirkungen von EMF durch SCENIHR im Jahr 2011

 

 

 

Einblicke in die Tagung zur IARC-Monografie 102: Bewertung des K rebsrisikos für den Menschen durch hochfrequente elektromagnetische Felder

 

 

 

EMF-Risikobewertung durch SCENIHR